
Adipositas ist ein Zustand, der durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper gekennzeichnet ist. Die Adipositas wird heute als eine chronische Gesundheitsstörung verstanden. Sie beruht auf einer polygenetischen Veranlagung, geht mit einer hohen Begleit- und Folgemorbididtät einher und erfordert ein langfristiges Behandlungs- und Betreuungskonzept. Übergewicht und Adipositas sind in der Bevölkerung epidemisch verbreitet. Etwa jeder dritte erwachsene Bundesbürger ist deutlich übergewichtig und sollte aus medizinischen Gründen Gewicht abnehmen. Längst ist unbestritten, dass Übergewicht und Adipositas hohe Kosten für das Gesundheitssystem verursachen. Knapp 5 % aller Gesundheitsausgaben in den Industrieländern werden für die Behandlung der Adipositas und ihrer Folgen aufgewendet.
(http://www.adipositas-gesellschaft.de)
Evaluation im wissenschaftlichen Sinn ist eine systematische, datenbasierte Beschreibung und Bewertung von Programmen, Maßnahmen, zeitlich beschränkten Projekten oder Institutionen, die unterschiedliche Dimensionen der Arbeit (Planung, Struktur, Prozess, Ergebnis) umfassen kann.
Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, für das es viele, aber keine einheitliche Definition gibt. 1954 definierte die WHO Gesundheit als „Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“. Dieser Idealzustand ist aber schwer erreichbar.
Seitens der Medizin wird eine pathologische Sichtweise eingenommen, das heißt: Gesundheit wird als die Abstinenz von Krankheit gesehen. Dem gegenüber steht die salutogenetische Auffassung. Nach Antonovsky gibt es keine exakte Trennung zwischen den Zuständen Gesundheit und Krankheit, sondern eine grundsätzliche Gleichzeitigkeit von gesunden und kranken Anteilen, deren Verhältnis je nach der aktuellen Konstellation und Wirksamkeit von sowohl belastender und „risikoreicher“ Einflussfaktoren als auch entlastender und „schützender“ Faktoren zueinander variiert. Nach diesem Verständnis ist Gesundheit ein kontinuierlicher und dynamischer Prozess.
Neben physischen, psychischen und sozialen Faktoren spielen Einflüsse der Umwelt eine Rolle für Gesundheit. Daher muss Gesundheit als ein Produkt der Gesellschaft und des Einzelnen gesehen werden, für das auch gesellschaftliche Investitionen nötig sind.
Um allen Anforderungen, Faktoren und Einflüssen gerecht zu werden, definierte die WHO 1984 Gesundheit wie folgt:
„Gesundheit ist das Ausmaß, in dem Einzelne oder Gruppen in der Lage sind, ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen, andererseits ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können. In diesem Sinne ist Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit ist ein positives Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen der Menschen ebenso betont, wie deren körperliche Leistungsfähigkeit.“
„Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess ab, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.“ (WHO, Ottawa-Charta 1986)
Gesundheitsförderung verfolgt einen gesundheits- und ressourcenorientierten Ansatz.
Sie will nicht nur individuelle Lebens- und Handlungsfähigkeiten beeinflussen und Menschen zur Verbesserung ihrer Gesundheit befähigen. Darüber hinaus zielt Gesundheitsförderung auf ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Faktoren und auf die politische Intervention zur Beeinflussung dieser gesundheitsrelevanten Faktoren ab.
Zudem arbeitet Gesundheitsförderung nach dem Setting-Ansatz, so finden gesundheitsförderliche Maßnahmen zielgruppenspezifisch in alltäglichen Lebensbereichen, z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Stadtviertel, statt.
Mit Hilfe dreier Handlungsstrategien werden die Ziele von Gesundheitsförderung erreicht:
Zudem setzt Gesundheitsförderung an fünf Handlungsebenen an:
(Quelle: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung, S. 73)
KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Die erste KiGGS-Studie (KiGGS-Basiserhebung) wurde von 2003 bis 2006 durchgeführt mit dem Ziel, zum ersten Mal umfassende und bundesweit repräsentative Daten zur Gesundheit der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren zu erheben. Da sich nicht alle interessierenden Informationen durch Befragungen sammeln ließen, umfasste das Studienprogramm auch medizinische Untersuchungen und Tests sowie Laboranalysen (Blut- und Urinproben). Die Datenerhebungen wurden in 167 Orten in ganz Deutschland durchgeführt. Insgesamt haben 17.641 Jungen und Mädchen mit ihren Eltern an der Studie teilgenommen.
Schon während der Datenerhebungen für die Basiserhebung wurde deutlich, dass eine Fortsetzung der Studie sinnvoll ist, da eine einzelne Studie nur eine „Momentaufnahme“ liefern kann. Seit 2007 ist KiGGS deshalb als Langzeitstudie im Rahmen des Gesundheitsmonitorings des Robert Koch-Instituts verankert.
Die Datenerhebungen für die erste Fortsetzungsstudie namens KiGGS Welle 1 führt das Robert Koch-Institut gegenwärtig (2009-2012) durch. Mit KiGGS Welle 1 werden erneut bundesweit repräsentative Daten zur gesundheitlichen Situation der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen gesammelt. Die neuen Daten ermöglichen Aussagen über die aktuelle gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen und – durch den Vergleich zur Basiserhebung – über etwaige Veränderungen in den letzten 6 Jahren (Trends). Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die erneute Einbeziehung der ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer (die z. T. inzwischen erwachsen sind), um zu ermitteln, wie sich deren Gesundheit bis heute entwickelt hat. Hierbei interessieren insbesondere typische Lebensphasenübergänge vom Kindes- ins Jugendalter und vom Jugend- ins Erwachsenenalter sowie die Ursachen und Bedingungen gesundheitlicher Veränderungen.
(http://www.kiggs.de/studie/index.html)
Neben der Gesundheitsförderung ist die Prävention die grundlegende Strategie zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit des Einzelnen und der gesamten Bevölkerung. Im Gegensatz zur Gesundheitsförderung verfolgt die Prävention aber einen krankheitsorientierten Ansatz. So stehen die Verhinderung, Verzögerung und Verminderung gesundheitlicher Schädigungen im Mittelpunkt des Handelns.
Unterschieden werden kann nach dem Zeitpunkt, an dem die Präventionsmaßnahme stattfindet, in:
(BZgA: Lehrbuch der Gesundheitsförderung, S. 90)
Immer mehr wird diese Differenzierung nach dem Zeitpunkt abgelöst durch die zielgruppenspezifische Differenzierung:
(http://www.diakonie-heilbronn.de/_rubric_sucht/index.php?rubric=sucht_praevention)
Strategien der Prävention:
1. Verhaltensprävention: Sammelbegriff für Strategien, die die Beeinflussung von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen beinhalten. Verhaltensprävention kann abzielen auf
Als Instrumente der Verhaltensprävention haben sich neben der Aufklärung und Information vor allem verhaltenstheoretische Programme (z.B. für die Bereiche der Raucherentwöhnung, der Ernährungsumstellung und des Stressmanagements) sowie gesundheutsberatung und -erziehung in Schulen bewährt. Effektive Verhaltensprävention setzt i.d.R. die oftmals schwierig zu beeinflussende Einsicht und Motivation der Zielpersonen voraus.
2. Verhältnisprävention: Steht für Strategien, die auf die Kontrolle, Reduzierung oder Beseitigung von Gesundheitsrisiken in den Umwelt- und Lebensbedingungen, auf die Verringerung oder Beseitigung von Krankheits- und Unfallursachen in den allgemeinen Lebens-, Arbeits- und Umweltverhältnissen bzw. auf die Herstellung gesunder Verhältnisse abzielen. Klassische Felder der Verhältnisprävention sind beispielsweise:
(BZgA: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung, 2003, S. 238f.)
Public Health ist die Wissenschaft und die Praxis zur Verhinderung von Krankheiten, zur Verlängerung des Lebens und zur Förderung von physischer und psychischer Gesundheit unter Berücksichtigung einer gerechten Verteilung und einer effizienten Nutzung der vorhandenen Ressourcen (modifiziert nach Winslow 1920). Maßnahmen von Public Health zielen primär an die Gesunderhaltung der Bevölkerung und ihrer Subgruppen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Präferenzen der darin eingeschlossenen Individuen zu berücksichtigen, stellt eine besondere Herausforderung dar.
Um ihre Ziele zu erreichen ist die Public Health-Praxis auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. Dabei geht es u.a. um
Aus diesen Aufgaben ergeben sich eine Vielfalt von Fragestellungen. Public Health ist daher auf die integrative Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Disziplinen angewiesen. Dazu gehören u.a. die Demographie, Epidemiologie, Gesundheitsmanagement, Gesundheitsökonomie, Gesundheitspädagogik, Gesundheitspolitik, Gesundheitspsychologie, Gesundheitssoziologie, Gesundheitssystemforschung, Medizin, Medizinanthropologie, Pflegewissenschaften, Public-Health-Ethik, Rechtswissenschaften, Statistik, Versorgungsforschung und andere mehr.
Winslow CEA (1920): The unfilled field of public health. Modern Medicine 2: 183-191. Zitiert nach: Schneider M-J (1999): Introduction to Public Health. Sudbury: Jones and Bartlett.
(http://www.deutsche-gesellschaft-public-health.de/)
Ein Setting wird einerseits als ein soziales System verstanden, das eine Vielzahl relevanter Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe umfasst. Es ist andererseits ein System, in dem diese Bedingungen von gesundheit und Krankheit auch gestaltet werden können. In erster Linie werden Kommunen, Schulen, Krankenhäuser und Betriebe als Settings bezeichnet.
Der Setting-Ansatz fokussiert die Rahmenbedingungen, unter denen Menschen leben, lernen, arbeiten und konsumieren. Er ist eine Antwort auf die beschränkten Erfolge traditioneller Gesundheitserziehungsaktivitäten, die sich mit Information und Appellen an Einzelpersonen richten. Es wird er Erkenntnis Rechnung getragen, dass Gesundheitsprobleme einer Bevölkerungsgruppe das Resultat einer wechselseitigen Beziehung zwischen ökonomischer, sozialer und organisatorischer Umwelt und persönlicher Lebensweise sind.
Der Setting-Ansatz wurde durch dananch ausgerichtete Projekte zu einer Schlüsselstrategie der Gesundheitsförderung. Er richtet sich in seinen Interventionen auf soziale Systeme, d.h. auf Organisationen und Netzwerke von Organisationen und nicht auf einzelne Menschen und ihr individuelles Gesundheits-/Risikoverhalten. Interventionen setzen am sozialen System an und verändern vor allem Kommunikationsstrukturen, insbesondere Prioritäten in Entscheidungsprozessen und Regeln im System.
Eine Zielgruppe ist die eng umrissene, klar definierte Gruppe der Personen, die von einer Maßnahme erreicht werden soll. Zielgruppen-orientiertes Arbeiten in der Gesundheitsförderung und Prävention unterscheidet sich von früheren Konzepten der Gesundheitserziehung, die sich pauschal an die Allgemeinbevölkerung richtete.